Nachrichten

Kino-Streik im Babylon Berlin

Kino-Streik im Babylon Berlin

ver.di distanziert sich von äußerst zweifelhafter Aktion des Arbeitgebers

07. Oktober 2015

Der Kino-Streik im Babylon Berlin nimmt absurde und äußerst fragwürdige Dimensionen an - und das liegt nicht an den streikenden ver.di-Mitgliedern, sondern am Geschäftsführer des Babylon Berlin, Herr Grossman, der am Dienstag, den 6. Oktober, mit Warnweste als Streikender verkleidet, die Fenster des Kinos mit Davidsternen bemalte und über dem Kinoeingang ein Plakat mit der Aufschrift: „Boykott! Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht im Babylon!“ aufgehängt hat.

Dazu der ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg in seiner heutigen Pressemitteilung:

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) bestreikt seit dem 23. Juli 2015 das Kino Babylon Berlin GmbH am Rosa-Luxemburg-Platz in 10178 Berlin. „Der unbefristete Arbeitskampf der Beschäftigten ist notwendig, weil die Geschäftsleitung sich weigert, in Tarifverhandlungen ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen", so Andreas Köhn, ver.di Verhandlungsführer. ver.di setzt sich dafür ein, dass im Babylon der für kommunale Kinos maßgebenden Tarifvertrages angewendet wird, denn es könne nicht sein, dass Steuergelder in ein Privatkino fließen, das Dumpinglöhne zahle.

Seit gestern (6. Oktober 2015) sind Fenster des Kinos mit Davidsternen bemalt, an einer Anzeigentafel über dem Kinoeingang hängt ein Plakat mit der Aufschrift: „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht im Babylon!“ Diese völlig irrationale Aktion des Arbeitgebers rückt den legalen Streik der Beschäftigten um höhere Löhne in die Nähe von nationalsozialistischen Umtrieben, Gewaltaktionen und Pogromen. „ver.di distanziert sich von derlei Aktionen, die auf unerträgliche  Art und Weise Aufmerksamkeit erheischen sollen“, so Andreas Köhn. ver.di fordert den Eigentümer des Kinos, Herrn Timothy Grossman auf, diese Aktion unverzüglich einzustellen. 

Hintergrund: Seit fünf Jahren gab es im Bereich der Filmvorführer (Stundenlohn 9,03 Euro) keine Entgelterhöhung mehr. Lediglich der Stundenlohn für Platzanweiser u.a. wurde zum 01. Januar 2014 auf den jetzt geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro erhöht. Gleichzeitig sind die Eintrittspreise und die Preise für Einmietung in diesem Zeitraum um teilweise 20 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Besucher hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Zum 31. Dezember 2014 kündigte ver.di den bestehenden Tarifvertrag und forderte die Geschäftsführung zu Tarifverhandlungen auf. Es haben zwei ergebnislose Verhandlungsrunden stattgefunden, der Arbeitgeber hat bislang kein substantielles Angebot vorgelegt. Er vertröstete die Beschäftigten auf eine mögliche Entgelterhöhung ab 1. Januar 2016, weil nach seiner Aussage aus eigenen Mitteln kein Spielraum vorhanden sei. Seit 23. Juli 2015 befinden sich daher die Beschäftigten des Kinos im unbefristeten Streik.

Geschäftsführer des Babylon Berlin bemalt Fenster des Kinos mit Davidsternen und hängt Plakat auf, das an nationalsozialistische Praktiken erinnert
Foto/Grafik: ver.di
Geschäftsführer des Babylon Berlin bemalt Fenster des Kinos mit Davidsternen und hängt Plakat auf, das an nationalsozialistische Praktiken erinnert
Foto/Grafik: ver.di
Geschäftsführer des Babylon Berlin bemalt Fenster des Kinos mit Davidsternen und hängt Plakat auf, das an nationalsozialistische Praktiken erinnert
Foto/Grafik: ver.di
Geschäftsführer des Babylon Berlin bemalt Fenster des Kinos mit Davidsternen und hängt Plakat auf, das an nationalsozialistische Praktiken erinnert
Foto/Grafik: ver.di