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Streik im Kino Babylon beendet

Streik im Kino Babylon beendet

23.12.2015

Die Tarifauseinandersetzung bei der Neue Babylon Berlin GmbH wurde am Mittwoch, den 23.12.2015, um 11.15 Uhr mit den Unterschriften auf einem Sozialtarifvertrag (u.a. mit Regelungen wie sofortige Freistellung aller betroffenen Mitarbeiter unter Fortzahlung der Monatsgehälter, betriebsbedingte Kündigung zum 31. März 2016 derselben, Abfindung von 1 Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr usw.)  beendet.

Auch die letzten anhängigen gerichtlichen Klagen seitens des Babylon-Geschäftsführers Grossman gegen Streikteilnehmer wegen der Tarif- und Publikuminfos wurden zurückgezogen. Am 14.12.2015 wurde der seit 23. Juli 2015 laufende unbefristete Streik unterbrochen, nachdem es das Signal für die Wiederaufnahme der Verhandlungen inklusive eines Angebots gab. Am 14.12.2015 fand dann auch die erste Verhandlungsrunde statt. Die Verhandlungen wurden seitens der Geschäftsführer durch einen mandatierten Rechtsanwalt geführt. Das erste Angebot: Erhöhung des tariflichen Mindestlohnes ab 1. November 2016 für Servicekräfte (derzeit 8,50 Euro) und Filmvorführer (derzeit 9,03 Euro) auf 9,50 Euro pro Stunde. Zur Erinnerung: der Tarifvertrag war zum 31.12.2014 gekündigt worden. In der zweiten Runde am 17.12.2015 wurde das Angebot mit 9,00 Euro ab 1.Januar 2016 und 9,50 Euro ab 1. August 2016 sowie auf 10,00 Euro pro Stunde ab 1. Januar 2017 nachgebessert. Die Forderung nach einer Einmalzahlung für 2015 und die Einführung der Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) in Höhe von 700,00 Euro (nach HDF Manteltarifvertrag) und die Erhöhung des Stundenlohnes auf 11,66 Euro für die Filmvorführer (nach HDF Tarifvertrag) wurden abgelehnt. Streikbrecher wurden teilweise mit 12,50 Euro pro Stunde vergütet, vorgeblich wegen höherer Qualifikation.

Nach dieser Runde erklärten alle ver.di-Mitglieder/Streikteilnehmer, dass sie kein Interesse an einer Weiterbeschäftigung im Kino mehr hätten. Durch die Aktionen des Geschäftsführers, wie Anfordern der Polizei, Malen von Davidsternen und Plakatierung, die die Streikenden und ver.di in die Nähe von Nazis rückten sowie die gerichtlichen Klagen gegen Streikteilnehmer bis zum Insolvenzantrag haben aus ihrer Sicht die weitere Tätigkeit im Kino für sie unmöglich gemacht (alle Informationen dazu hier). Auch bestanden Befürchtungen, dass sie sukzessive aus dem Betrieb gemobbt werden würden. Der  Sozialtarifvertrag wurde von den Betroffenen daher einstimmig angenommen. „Wir als Gewerkschaft handeln im Auftrag der Mitglieder und nicht zum Selbstzweck. In Anbetracht der Situation habe ich vollstes Verständnis für die Reaktion der Kollegen, so bedauerlich dies auch für die Durchsetzung von tarifvertraglichen Regelungen ist“ so Andreas Köhn, ver.di Verhandlungsführer.