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Babylon: Es geht weiter!

Babylon: Es geht weiter!

12. Oktober 2015

Nachdem der Geschäftsführer des Kino Babylon in Berlin, Timothy Grossman, vergangenen Dienstag die Glasfenster seines Kinos mit Davidsternen besprüht und ein Plakat mit der Aufschrift „Boykott! Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht im Babylon“ über dem Eingang des Lichtspielhauses aufgehängt hatte, fand gestern vor dem Babylon ein weiterer Streik statt, während dem der Betriebsrat Grossman aufforderte, seine „Schmierereien an der Glasfront zu entfernen und das geschmacklose Plakat abzuhängen“. Eine solche Aktion banalisiere die Judenverfolgung und die Verbrechen des Nationalsozialismus an den europäischen Juden nach 1939.

Streik vor dem Kino Babylon gegen die Aktion des Geschäftsführers Grossman, der aufgefordert wird, seine Schmiereien zu entfernen Christian v. Polentz / transit Kino-Streik Babylon Davidsterne

Zahlreiche Medien hatten vergangene Woche über den „Vorfall“ berichtet, den Geschäftsführer Grossman selbst als „Kunstaktion“ rechtfertigte, mit der er sich gegen eine Diffamierungskampagne gegen seine Person seitens der streikenden Mitarbeiter wehren wolle.

Ver.di hatte sich bereits letzten Mittwoch in einer Pressemitteilung von der zweifelhaften Aktion, die den legalen Streik der Babylon-Beschäftigten in die Nähe nationalsozialistischer Gewalttaten und Progrome rücke, distanziert.

Als „infam, falsch und schlecht“ bezeichnete auch Autor Thees Uhlmann die Aktion des Babylon-Geschäftsführers und verlegte kurzerhand die Lesung seines neuen Romans „Sophia, der Tod und ich“ aus dem Kino Babylon ins Columbia Theater.

Wie dpa zudem heute berichtet, hat Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) die Aktion des Geschäftsführers als „hochgradig geschmacklos“ kritisiert. Die Kulturverwaltung habe Grossman mitgeteilt, dass ein solches Verhalten illegitim sei und dass der Senat seine Zuwendungen an das Kino überprüfen müsse, sollte es künftig zu weiteren Eskalationen kommen.

***Update 20. Oktober 2015***