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Demo: Für existenzsichernde Löhne in den Kinos

Berlinale 2019

Demo: Für existenzsichernde Löhne in den Kinos

4. Februar 2019

ver.di ruft während der Berlinale 2019 die Beschäftigten in den Kinos zu Protesten „Für existenzsichernde Löhne in den Kinos“ auf. Die Kundgebungen werden am Freitag, den 8.2.2019 und am Samstag, den 9.2.2018 ab 18:45 vor dem Berlinale-Palast (Potsdamer Straße/ Joseph-von-Eichendorff-Gasse) stattfinden. Zum Auftakt der Proteste werden am Freitagabend ca. 100 Teilnehmer*innen mit buntem und lautem Protest erwartet.

Seit 2015 gilt in allen Kinos der Mindestlohn. Die Arbeit wird in der Regel von ca. 90% Teilzeitkräften und 10 Vollzeitkräften erbracht. Fast jeder Arbeitsplatz im Kino wird bei einer Neueinstellung befristet – egal ob „Kinosaison“ ist oder nicht. In Berlin arbeiten in 97 Kinos ca. 1500 Mitarbeiter, davon unter einen Tarifvertrag ca. 700 Personen in 11 Kinos (UCI, CineStar und CinemaxX). Jeder Cent mehr als der Mindestlohn musste ab 2015 gegen diese Kinounternehmen i.d.R. mit Warnstreiks durchgesetzt werden.

Wer sich für die Arbeit im Kino entscheidet, wird in der Regel in der Altersarmut landen und im Alter einen Anspruch auf Grundsicherung vom Staat haben. Mit einem Bruttoeinkommen von ca. 1650 € (40 Std./Woche) gehören Alleinerziehende, Familien und Langzeitkranke zu den Opfern der Lohnpolitik der Unternehmen. Nach den Berechnungen der Bundesregierung müsste man mindestens 12,63 €/Std. verdienen um nicht Arm im Alter zu sein.

Die Kinobranche in Deutschland boomt trotz des schlechten Filmjahres 2018 (95,9 Mio. Umsatz). PWC geht in den kommenden fünf Jahren von einer Umsatzwachstumsrate von 1,2%/Jahr aus. Seit dem Kino-Krisenjahr 2007 haben sich die Umsätze an der Kinokasse um ca. 30% gesteigert (2017) bei einer fast gleichbleibenden Anzahl von Kinos (-6%). Neben den um ca. 40% gestiegenen Kinopreisen ist der erhöhte Verkauf von Getränken und Popcorn dafür verantwortlich. Die Kinobetreiber weisen jede Verantwortung an niedrigen Löhnen zurück, insbesondere mittelständische und kleinere Kinobetreiber sehen sich von der staatlichen Wirtschaftsförderung mit der Digitalisierung, Renovierungsbedarf, sowie steigenden Gewerbemieten alleine gelassen.

„Die Löhne im Kino sind ein Skandal“, so Jörg Reichel, ver.di Gewerkschaftssekretär der ver.di Berlin-Brandenburg. „Der Rote Teppich auf der Berlinale gaukelt eine heile Welt vor - für die jungen Beschäftigen reicht der Lohn nicht mehr für die Miete, für die langjährigen Beschäftigten ist das Jobcenter im Alter die Realität.“ Der Kulturort Kino lehrt sie, „dass Arbeit nicht zum Leben reicht“.